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Kämpferin gegen Rassismus Lesung in der ehemaligen Synagoge

Verfasst am 16. November 2014

Drensteinfurt - Dr. Kurt Omland bezeichnete Ruth Weiss als „eine der bedeutendsten Kämpferinnen gegen Rassismus und Apartheid“. Die Autorin und Journalistin berichtete bei einer Lesung in der ehemaligen Synagoge anlässlich des Gedenkens an die Reichsprogromnacht über ihr bewegtes Leben.

Ruth Weiss ist eine der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die die Judenverfolgung in Deutschland in den 1930-er Jahren am eigenen Leib miterleben mussten. Die Journalistin und Buchautorin floh zwar im Jahr 1936 nach Südafrika, musste jedoch schon früh erfahren, was Rassismus und Apartheid bedeuten. Doch diese schrecklichen Ereignisse machten Ruth Weiss stark, sie richtete ihr Lebenswerk und all ihre Kraft auf den Kampf für die Rechte der Unterdrückten.

Am Sonntagabend war sie in der ehemaligen Synagoge zu Gast, um eine Lesung abzuhalten. Anlass war das Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der die Nationalsozialisten ihrem Hass auf die Juden in aller Öffentlichkeit freien Lauf ließen. Aus Diskriminierung wurde Verfolgung, Hass und Mord.

Mit einer Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse begrüßte auch Bürgermeister Carsten Grawunder die zahlreichen interessierten Besucher, die gespannt auf die Worte von Ruth Weiss warteten. Er lobte die Autorin für ihren Mut und betitelte ihren Kampf gegen Rassismus als Lebenswerk. „Doch auch in Zukunft, wenn die Zeitzeugen nach und nach verstummen, darf das Erinnern nicht aufhören“, forderte Grawunder. Vor allem den jungen Generationen müsse dies deutlich gemacht werden. „Jegliche Form von Rassismus darf nie wieder Menschen leiten,“ fügte er hinzu. Ein wichtiges Ziel für die Zukunft sei ein „Weg gegenseitigen Respekts, von Anerkennung und ohne Diskriminierung“.

Auch in Drensteinfurt mussten die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Reichspogromnacht zusehen, wie ihre Synagoge verwüstet und ihr eigenes Leben in große Gefahr geriet. Die letzten zehn verbliebenen Juden, die zu diesem Zeitpunkt noch vor Ort lebten, wurden deportiert. Nur eine von ihnen überlebte. Daran hatte Dr. Kurt Omland vom Förderverein „Alte Synagoge“ bereits im Vorfeld erinnert. Ruth Weiss, die im Jahr 2005 auch für den Friedensnobelpreis nominiert war, habe noch heute eine wichtige Rolle. „Sie ist eine der bedeutendsten Kämpferinnen gegen Rassismus und Apartheid“, erklärte Kurt Omland.

Nach all den lobenden Worten wusste Ruth Weiss nicht sofort etwas zu sagen. Mitgebracht hatte sie aber ihre Autobiografie „Wege im harten Gras“, das von ihrem langen und kämpferischen Lebensweg erzählt. Sie berichtete den Anwesenden von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung, von ihrem Kampf, ihren Erfolgen und allem, was sie erlebt hat. Deutlich wurde, dass sie noch heute nicht aufgehört hat, für die Unterdrückten zu kämpfen.

Quelle: WN (ANF)

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