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Erbe und Last Neues Legendenschild der Wagenfeldstraße mit geändertem Text Rat der Stadt entscheidet sich gegen Vorschlag des Stadtarchivars

Verfasst am 14. Juni 2010

DRENSTEINFURT Nun wird das neue Legendenschild der Wagenfeldstraße wohl doch länger als ursprünglich gedacht. Der Rat der Stadt beschloss gestern endgültig, dass das bisherige Zusatzschild entfernt und mit einem neuen ausgestattet werden soll, das folgenden Text trägt: „Karl Wagenfeld (1869-1939), gründete 1915 den Westfälischen Heimatbund und erwarb sich Verdienste um die Bewahrung der niederdeutschen Sprache. Seine Reden und Schriften offenbaren allerdings auch deutsch-nationales und völkische Gedankengut, mit dem er der nationalsozialistischen Propaganda förderlich war.“ Damit hat sich der Rat auf Anregung der Grünen nun für den vermutlich längsten aller vorgeschlagenen Texte entschieden. 23 Ratsmitglieder stimmten für den Vorschlag.


Zuvor hatte Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer noch einmal die Entstehungsgeschichte verschiedener Zusätze erläutert und vor allem auf das Diskussionthema „Wagenfeld“ verwiesen. „Auch andere Städte stellen sich diesem Problem oder werden es in Zukunft tun müssen“, erklärte er. Wagenfeld habe mehr getan als nur seine nationalsozialistische Gesinnung geäußert. „Er hat gehandelt und war schon in den 20er Jahren ein Förderer der Nationalsozialisten.“ Das habe er bewusst und gezielt getan. Bis 1990 sei das allerdings kaum bekannt gewesen. Es gehe nicht um ein Drensteinfurter Erbe, Wagenfeld sei vielmehr Erbe und Last aller Westfalen. Drensteinfurt könne hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Schließlich habe der Heimatdichter (nur) die Kindheit in der Wersestadt verbracht. „Man könnte zu Beispiel eine Fachtagung in Drensteinfurt veranstalten, die sich mit der Entwicklung Wagenfelds zum Förderer der Nationalsozialisten beschäftigt“, schlug Klötzer vor.
Ursprünglich hatte Klötzer einen kürzeren Text vorgeschlagen, der unter anderem den Bezug zu Drensteinfurt herstellte.

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