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Entsetzen in den Gesichtern Vor 83 Jahren wurden vor der Staatsoper in Berlin und in zahlreichen anderen Studentenstädten Bücher von 24 deutschen Schriftstellern verbrannt. Joseph Goebbels hatte den Befehl zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 gegeben und damit zahlreiche Künstler dazu gebracht, das Land zu verlassen.

Verfasst am 11. März 2016

In einer künstlerisch hochwertigen Veranstaltung erinnerten Günter Gall und Konstantin Vassiliev am Sonntagabend in der ehemaligen Synagoge genau an diese Bücherverbrennung. Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ hatte der Förderverein „Alte Synagoge“ zu diesem besonderen Abend eingeladen. Die Veranstaltung begann mit Trommelschlägen, deren Wirkung noch lange im Raum schwebte. Günter Gall inszenierte die Bücherverbrennung mit den Worten, die damals am Scheiterhaufen gesprochen wurden, und sorgte schon damit für eine atemberaubende Atmosphäre. In dem zweistündigen Programm folgten Tagebucheinträge, Gedichte, Texte, Lieder und Porträts von eben diesen „verbrannten Dichtern“. Günter Gall erzählte von Schriftstellern wie Erich Kästner, der selbst geschrieben habe, es sei ein merkwürdiges Gefühl, ein verbrannter Dichter zu sein. Auch Erich Maria Remarque, Klaus Mann und Kurt Tucholsky waren Thema. Außerdem kämpften Maler und Komponisten im Nationalsozialismus um ihr Überleben. Einige Texte erforderten im Anschluss eine Pause, die nur vom ruhigen Gitarrenklang Vassilievs geprägt war. Es war Zeit zum Nachdenken, zum Verarbeiten und auch zum Erinnern. Die rund 20 interessierten Zuschauer lauschten gespannt den Texten und der Musik. Mit warmer und gleichzeitig kräftiger Stimme erinnerte Günter Gall auch an die „Zwölf Thesen wider den undeutschen Geist“, die als Vorläufer der Bücherverbrennung gelten. Und obwohl viele Tatsachen und Bilder schon bekannt waren, sorgten die Texte und deren eindrucksvolle Inszenierung und Rezitation bei den Zuhörern immer wieder für Entsetzen.


Foto: Präsentierten keine leichte Kost: Konstantin Vassiliev (Gitarre, li.) und Günter Gall (Gesang und Rezitation).Foto: -anf-

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