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Das Grauen aufgeschrieben Texte von Widerstandskämpferinnen in ehemaliger Synagoge zu hören

Verfasst am 06. März 2015

Der literarisch-musikalische Abend mit Anja Bilabel und Sabine Fröhlich erwies sich als gelungene Auftaktveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Fördervereins Alte Synagoge. Die Woche der Brüderlichkeit bot den passenden Raum für die Lesung „Die Geschichte eines ungestümen Herzens“ im Rahmen des Hörtheaters Lauschsalon.

Interessiert verfolgten rund 50 Zuhörer am Sonntagabend in der ehemaligen Synagoge die Texte deutschsprachiger Autorinnen während der Verfolgung durch das NS-Regime, im Exil und in den Nachkriegsjahren.

„Das Thema ist wichtig genug, um sich damit zu beschäftigen“, sagte Bürgermeister Carsten Grawunder. Die Woche der Brüderlichkeit stehe für den christlich-jüdischen Dialog, der Aufarbeitung des Holocausts und der Pflege demokratischer Ideale. „Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus darf es nie mehr geben“, betonte er.

Die von Anja Bilabel vorgetragenen Gedichte und Romanausschnitte stammten von Rose Ausländer, Inge Müller, Johanna Moosdorf, Nelly Sachs, Gertrud Kolmar und Mascha Kaleko. Für diese sechs Frauen war das Schreiben Leidenschaft und Befreiung, Aufarbeitung und Widerstand. In den Texten ging es nicht nur um Grauen und Leid, sondern auch um den Alltag, den Mut und die Liebe. „Die Sprache hat überlebt“, erinnerte Bilabel, mit ihren Werken setzten die Autorinnen ein politisches Mahnmal. Etliche der Texte entstanden angesichts der Bedrohung durch die National-Sozialisten im Geheimen.

Die Rezitation der Schauspielerin Anja Bilabel schien pure Poesie. Mit ihrer Stimme mal flüsternd, mal energisch, spielerisch leicht und bedrückend ergriffen, nahm sie die Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Die Violinistin Sabine Fröhlich gab dem Abend mit Kompositionen jüdischer Komponisten, Eigenkompositionen und Improvisationen einen musikalischen Rahmen. Dabei unterstrich und verstärkte die Konzertmeisterin des Kourin-Orchesters aus Münster die Wirkung der Texte einfühlsam. Zwischen den einzelnen Texten informierte Bilabel über das Leben der Autorinnen. Mit kurzen Erklärungen zu den Gedichten half sie dem Zuhörer, die Texte besser zu verstehen.

So unterbrach sie die Chronologie des Lebens von Mascha Kaleko durch inhaltlich passende Gedichte, Geschichten und Tagebucheinträge. Sie endete mit dem letzten Gedicht der Lyrikerin “Bleibtreu heißt die Straße”, in dem die Verzweiflung der Überlebenden zum Ausdruck kommt. Während sie die Biografie sachlich und ruhig vortrug, erlebten die Anwesenden die Gedichte und Geschichten wie ein Schauspiel für die Ohren. Am Ende der Lesung entließen die Künstlerinnen ein nachdenkliches Publikum, das den beiden viel Applaus spendete. - mew

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