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Das darf nie in Vergessenheit geraten“ Prof. Dr. Aschoff blickte am 68. Jahrestag der Reichspogromnacht zurück

Verfasst am 11. November 2006

Drensteinfurt•„Die Geschichte der Judenverfolgung in Deutschland ist lang“, berichtete Prof. Dr. Diethard Aschoff und: „In Westfalen begann sie mit einem Paukenschlag. Der erste schriftlich erwähnte Jude in unserer Region wurde Ende des 11. Jahrhunderts ermordet.“

Mit einem düsteren Blick in die Vergangenheit begann der emeritierte Professor, der sich an der Universität Münster mit der Erforschung des westfälischen Judentums einen Namen gemacht hat, den Vortrag aus seinem neuen Buch „Die Geschichte der Juden in Westfalen im Mittelalter“.

Zum 68. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1938 hatte der Förderverein „Alte Synagoge“ den Historiker am Donnerstagabend als Referenten zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen.

Bürgermeister Paul Berlage und Fördervereinsvorsitzender Kurt Omland begrüßten rund 35 Zuhörer in der ehemaligen Synagoge und erinnerten an die besondere Bedeutung des Tages.

„Der 9. November 1938 war der erste schreckliche Höhepunkt der organisierten Judenverfolgung in Deutschland. Das darf nie in Vergessenheit geraten“, so Omland.

Aus diesem Anlass präsentierte Prof. Aschoff hauptsächlich die unerfreulichen Wahrheiten seines Buches und vermittelte einen plastischen Eindruck vom Mit- und Gegeneinander von Christen und Juden.

Der zweite Jude in Westfalen, ein Mann namens Juda, konvertierte 1150 zum Christentum, wie aus seiner autobiographischen Bekehrungsgeschichte hervorgeht.

Auf der anderen Seite gab es auch ab und zu christliche Geistliche, die den jüdischen Glauben annahmen, dann aber von der katholischen Kirche brutal verfolgt wurden.

Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung im 12. und 13. Jahrhundert kamen erstmals viele jüdische Familien aus dem Kölner Raum nach Westfalen. Als erfolgreiche Kaufleute waren sie oft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Städte und genossen teilweise sogar besondere Rechte. Die zunehmende Christianisierung führte dann allerdings mehr und mehr zur gesellschaftlichen und menschlichen Ausgrenzung der Juden. Diese Entwicklung gipfelte in der großen Pestkatastrophe 1350. Ausgelöst durch das Märchen von der Brunnenvergiftung nahm die größte Judenverfolgung bis zum Holocaust ihren Lauf, von dem sich die jüdische Gemeinde nicht mehr erholte. Anfang des 16. Jahrhunderts mussten sich Juden sogar öffentlich kennzeichnen und wurden so noch stärker ausgegrenzt.

„Die Parallelen zum Dritten Reich sind unverkennbar und zeigen, dass Judenhass in Deutschland schon lange vor dem Nationalsozialismus existierte“, so Aschoff.

„Wir können nur hoffen, dass so etwas nie wieder vorkommt. Die Einweihung der großen Synagoge in München am heutigen Tag ist jedenfalls ein tolles Zeichen für die Zukunft“, beendete er seinen Vortag mit einem erfreulichen Aspekt.•sem

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