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Blicke unter die Haut gewährt Ausstellung von Christiana Diallo-Morrick

Verfasst am 12. März 2011

Ihre Kunst geht unter die Haut. Dabei zeigen die Werke, die Christiana Diallo-Morick in der ehemaligen Synagoge zeigt, unter dem Titel „Rosarot“ monochrom angelegte Farbflächen. Doch mit klassischer Farbfeldmalerei, zu deren wichtigsten Vertreter in Deutschland Josef Albers gehörte, haben die Arbeiten der Künstlerin wenig zu tun, wie Michael Rickert in seiner Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung ausführte. Der kleine Raum der früheren Synagoge reichte am Sonntagmorgen kaum aus, um allen Besuchern Platz zu bieten. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Paul Berlage, der bekannte, dass er bei dem Titel „Rosarot“ zunächst leichte Bedenken gehabt zu haben, ob sich der mit dem Auftrag eines solchen Denkmals vertrage, die dann aber schnell zerstreut worden seien, übernahm es Rickert, die Arbeiten seiner früheren Schülerin am Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Hiltrup zu würdigen. Der Kunsterzieher näherte sich der Kunst Diallo-Moricks, indem er kunsthistorisch einen großen Bogen schlug, und neben Parallelen zur Farbfeldmalerei („colourfield painting“) auch die „arte povera“ in seine Betrachtung einbezog, um zu der Feststellung zu gelangen, dass die in Rinkerode ansässige Künstlerin für sich die Position eines Alleinstellungsmerkmals in Anspruch nehmen könnte. Die sich bei dem Titel aufdrängenden Assoziationen wie Schweinchen und Liebe wiesen allerdings in eine verniedlichende Richtung, die in diesen Bildern nicht gemeint sei. Rickert sah in den Bildwerken eher Bezüge zur Haut, genauer zur Unterhaut, die dem Auge normalerweise verborgen bliebe. Mit ihrer Kunst öffne Diallo-Morick sozusagen die Schutzhülle und lasse den Betrachter Einblick nehmen in das Innere, was Begeisterung und Bewunderung genauso wie Erschrecken auslösen könne. Organismen und Körper hätten eine sehr ambivalente Faszination, erst recht, wenn sie zum Objekt von Veränderungen, Verletzungen, Amputationen würden, wie es vor allem von jungen Mädchen praktiziert werde, die eine Neigung zur Selbstverletzung hätten. Dass solche Bildwerke in der Umgebung einer ehemaligen Synagoge eine um so größere Wirkung und Nachdenklichkeit entfalteten, liege nahe. Andererseits handele es sich um autonome Kunstwerke, so Rickert, die im Atelier entstanden und nicht explizit für diesen Ort gemalt worden seien. Bei einem anderen Exponat, das eine architektonische Struktur aufweist, zog der Laudator eine Parallele zum berühmten Zeichner Giovanni Battista Piranesi. Die Künstlerin bedankte sich bei ihrem früheren Kunsterzieher, bei der Vorsitzenden des Kunst- und Kulturvereins, Christa Heistermann, sowie bei Sabine und Kurt Omland vom Synagogenvereins. Die Ausstellung ist bis zum 27. März donnerstags bis samstags von 16 bis 18 Uhr, am Samstag, 12. März, von 11 bis 13 Uhr, sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Quelle: WN

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