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Das Team des Jüdischen Museums Westfalen trauert um Rolf Abrahamsohn In der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 2021 ist unser Wegbegleiter Rolf Abrahamsohn im Alter von 96 Jahren verstorben. Sein Andenken wird bei uns nicht nur persönlich bewahrt, sondern auch in einem seinem Leben gewidmeten Abschnitt unserer Dauerausstellung.

Verfasst am 05. Januar 2022

Mit großer Trauer nehmen wir von ihm Abschied. Er war ein erfolgreicher Textilkaufmann auf den Spuren des väterlichen Geschäfts in Marl, nach dem Krieg einer der Mitbegründer und viel später, in den 1980er und 1990er Jahren auch Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Recklinghausen-Bochum. So wurde er auch zum Unterstützer und Freund vieler jüdischer Zuwanderer*innen nach 1990. Offizielle Ehrungen wie die Ernennung zum Vestischen Ehrenbürger waren ihm nicht so wichtig wie die Erhaltung der jüdischen Tradition und der Kampf gegen die Judenfeindschaft. Keine Schulklasse hat ihn vergeblich um seinen Besuch gebeten – das Zeitzeugnis war ihm das Wichtigste überhaupt.

Denn nach unendlichen Qualen in der Nazizeit, deportiert mit 16 Jahren ins Ghetto Riga, in Buchenwald, bei der Zwangsarbeit in Bochum, war er 1945 sozusagen in letzter Minute gerettet worden. Seine übrige Familie fiel dem Massenmord zum Opfer. Davon, und von seinem Leben vorher und danach, hat er auch in seinem Buch „Was machen wir, wenn der Krieg zu Ende ist?“ erzählt.

Unser Museum verdankt ihm die Begleitung von Anfang an – als Gründungsmitglied, Berater, Zeitzeuge und Freund. Wenn er mal eines seiner seltenen Interviews gab, dann meistens in unserem Haus – ein kleiner Vertrauensbeweis. Wir sind ihm dankbar nicht nur für seinen Rat und seine Berichte, sondern auch für Jahre der von Humor geprägten Freundschaft mit den Gründungspersonen des Museums. Sein Andenken wird bei uns nicht nur persönlich bewahrt, sondern auch in einem seinem Leben gewidmeten Abschnitt unserer Dauerausstellung.

Hier ein WDR-Interview mit Rolf Abrahamsohn von 2019.

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