Wewelsburg - Kreismuseum
Das Konzentrationslager Niederhagen
   
Für den Aus- und Umbau der Wewelsburg setzte Heinrich Himmler, Reichsführer SS, seit 1939 KZ-Häftlinge ein. Im Mai 1939 trafen die ersten 100 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen in Wewelsburg ein und gründeten das Außenkommando Wewelsburg. Sie kamen zunächst in einem Zelt unterhalb des Burgberges unter, bevor ein kleines Barackenlager auf dem gegenüberliegenden Kuhkampsberg gebaut wurde.

provisorisches Zeltlager
Blick auf das provisorische Zeltlager unterhalb der Wewelsburg, 1939

Die Häftlinge wurden neben dem Ausbau der Wewelsburg auch beim Bau des Führerhauses I, der Villa des Architekten Hermann Bartels, oder der Waldsiedlung eingesetzt. Weiterhin arbeiteten sie im Straßenbau und im Steinbruch. Dort waren sie das ganze Jahr schutzlos den wechselnden Klima- und Wetterverhältnissen ausgesetzt.
 
Nach dem Umzug in ein neuerbautes "Schutzhaftlager" in der Gemarkung Niederhagen kamen weitere Häftlinge nach Wewelsburg. Im September 1941 wurde das Außenlager Wewelsburg, das bis dahin zum KZ Sachsenhausen gehörte, zum selbständigen Konzentrationslager Niederhagen erklärt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich rund 480 Gefangene in Wewelsburg. Zur sozialen Differenzierung der Häftlingsbelegschaft führte die SS farbige Stoffdreiecke ("Winkel") ein, die an die Kleidung der einzelnen Häftlingsgruppen genäht wurden. Seit 1941 kamen verstärkt ausländische Häftlinge ins Lager. Die größte Gruppe bildeten seit 1942 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Anfang 1943 befanden sich rund 1.200 Inhaftierte in Wewelsburg.

Ehemaliges KZ Niederhagen
Ehemaliges KZ Niederhagen von Westen gesehen, nach Kriegsende

Das KZ Niederhagen diente auch als Exekutionsstätte für die Gestapo in Westfalen-Lippe. Insgesamt 56 Menschen, darunter Frauen und Kinder, wurden auf Befehl des Reichsführers SS dort hingerichtet. 1942 wurde ein lagereigenes Krematorium gebaut.
 
Todesbescheinigung eines KZ-Häftlings
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Todesbescheinigung
eines KZ-Häftlings
Da sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen drastisch verschlechterten, stieg die Todesrate enorm an. Von den rund 3.900 Häftlingen, die die SS im Lager registrierte, starben nachweislich mindestens 1.285, deren Sterbeurkunden erhalten sind.
 
Im Frühjahr 1943 wurden die Bauarbeiten an der Wewelsburg eingestellt und das KZ Niederhagen aufgelöst. Die Häftlinge wurden auf andere Lager verteilt, nur rund 50 Häftlinge blieben in Wewelsburg zurück. Organisatorisch wurde dieses sogenannte "Restkommando" dem KZ Buchenwald unterstellt. Die Häftlinge zogen in eine Baracke auf dem Industriehof des Lagers. Das Areal des Schutzhaftlagers wurde von der Volksdeutschen Mittelstelle (VOMI) als Umsiedlungslager für sogenannte "Volksdeutsche" genutzt. Das SS-Lager diente zeitweise als Wehrertüchtigungslager, in dem die SS Jugendliche für den Kriegseinsatz schulte.

Umsiedlungslager der VOMI, ca. 1944
Umsiedlungslager der VOMI, ca. 1944

Am 2. April 1945 befreiten amerikanische Truppen das "Restkommando". Die Wewelsburg war bereits von einer SS-Einsatztruppe gesprengt worden. Im ehemaligen VOMI-Lager fanden zunächst ehemalige Zwangsarbeiter und ausgebombte Familien, dann verstärkt Flüchtlinge und Vertriebene Unterkunft.
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