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Die Universität Bonn 1933-1945 Vertreibung jüdischer und politisch unliebsamer Dozenten - Widerstand von Studenten

Foto der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität

Offene Opposition gegen die Machtübernahme und die bald darauf erfolgende „Gleichschaltung“ der Universitätsstrukturen gab es auch an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität nicht.

Vielmehr veröffentlichten einige Hochschullehrer am 4. April 1933 eine Erklärung "Für Adolf Hitler". Studenten verbrannten im Mai auf dem Marktplatz Bücher von jüdischen, marxistischen und pazifistischen Schriftstellern. Jüdische und politisch unliebsame Hochschullehrer, Angestellte und Arbeiter wurden nach und nach aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 entlassen oder zwangspensioniert. Die anderen Professoren und Dozenten arrangierten sich oder nutzen die Situation für die eigene Karriere.


Bild von Alfred Kantorowicz

Alfred Kantorowicz

Seit 1918 lebte der auf Zahnmedizin spezialisierte Arzt Alfred Kantorowicz in Bonn. An der dortigen Universität wurde er 1923 erster ordentlicher Professor für Zahnmedizin. Kantorowicz war der Begründer der Schulzahnpflege. Sein „Bonner Modell“ der schulzahnärztlichen Betreuung von Kindern und Jugendlichen galt weltweit als richtungweisend.

Als Stadtverordneter der Sozialdemokratischen Partei hatte Kantorowicz immer vor der NSDAP gewarnt und war bereits 1931/32 im "Westdeutschen Beobachter" von den Nationalsozialisten heftig angegriffen worden. Kurz nach der Machtübernahme am 1. April 1933, wurde er verhaftet. Nach einigen Wochen im Gerichtsgefängnis Bonn überstellte ihn die Polizei im Juli 1933 in das Konzentrationslager Börgermoor. Dort erreichte ihn seine Kündigung aus dem Staatsdienst. Druck aus dem Ausland führte Ende des Jahres 1933 zu seiner Freilassung. Über die Schweiz emigrierte Kantorowicz in die Türkei, wo er in Istanbul einen Lehrstuhl für Zahnmedizin annehmen konnte. 1950 kehrte er nach Bonn zurück. Alfred Kantorowicz starb am 6. März 1962.

Bild von Walter Markov

Studentischer Widerstand - Die Gruppe um Walter Markov

Im Frühjahr 1934 sammelte sich um den Universitätsassistenten Walter Markov ein Kreis von Studenten und Dozenten, die das NS-Regime ablehnten und zu dessen Sturz beitragen wollten. Auch Nicht-Akademiker stießen zu der Gruppe, die den Kontakt zu Oppositionellen in bürgerlichen wie in sozialistischen Kreisen suchte.

Mit der illegalen KPD wurde eine Zusammenarbeit vereinbart: Die Markov-Gruppe stellte unter dem Namen der früheren KPD-Parteizeitung „Sozialistische Republik“ eine eigene Zeitschrift her, die von der KPD verbreitet wurde. Ab Dezember 1934 erschienen in einer Auflage von jeweils etwa 150 Exemplaren in monatlicher Folge vier Ausgaben der Zeitschrift, die trotz ihrer Nähe zur KPD eine unabhängige Berichterstattung über die Vorgänge im Deutschen Reich lieferte. Diese publizistischen Aktivitäten blieben von der Gestapo nicht unbemerkt. Im Februar 1935 wurden die Mitglieder der Gruppe verhaftet und in zwei Prozessen zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.