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Glaube und Zivilcourage Gedenkstunde am 27. Januar 2011

Verfasst am 02. März 2011

Einen weiten Bogen schlug Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch in seiner Rede zur Gedenkstunde am 27. Januar 2011, die am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnerte. Er sprach sowohl von Widerstand und Verfolgung in der NS-Vergangenheit Bonns als auch über die Notwendigkeit heutigen Gedenkens und die Mahnung für die Zukunft, dass die Demokratie eine ständige Aufgabe und Herausforderung sei. Dazu brauche man Bildung und Toleranz, Mut und Zivilcourage. Die Freiheit des Glaubens gehöre dazu. Als Beispiel führte er das konsequente Handeln der Marie Kahle an, nach der inzwischen eine Bonner Schule benannt worden ist. Die Schülerinnen und Schüler Mathias Bira, Aljoscha Gerings, Olivia Lich, Marie-Christine Metternich, Sewit Tekle und Janika Thielecke des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums stellten in einem eindrucksvollen szenischen Spiel Gedanken und Handeln Marie Kahles und anderer Bonner Bürger dar, die in der NS-Zeit wegen ihres aufrichtigen Glaubens verfolgt worden sind.

Bereits 1933 wurden die Zeugen Jehovas aufgrund ihrer strikten Haltung gegenüber dem NS-Regime verboten. Viele von ihnen wurden in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Die Gestapo in Bonn mit Sitz im Kreuzbergweg verhaftete auch Bonner Zeugen Jehovas. Darauf wies Gedenkstättenleiterin Astrid Mehmel hin. Sie skizzierte in ihrem Vortrag die Verfolgung der Bonnerinnen und Bonner, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu dieser Glaubensgemeinschaft oder weil sie aus ihrem christlichen Glauben heraus handelten, dem NS-Terror ausgesetzt waren. In der Gedenkstunde las der Schauspieler Rolf Mautz bewegende Texte des Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im April 1945 hingerichtet worden ist. Beseelte musikalische  Intermezzi lieferte der 14 Jahre alte Jakov Zotov am Flügel mit Klavierstücken  von Tschaikowsky, Liszt und Prokofjew. Sie rundeten die Veranstaltung einfühlsam ab. Zu der Gedenkstunde für die Opfer des NS-Terrors, an der mehr als 300 Personen teilnahmen, hatte Oberbürgermeister Nimptsch in diesem Jahr erstmals in die Kammerspiele Bad Godesberg eingeladen, weil das Rathaus derzeit renoviert wird. OB Jürgen Nimptsch dankte dem Hausherrn Generalintendant Klaus Weise für die Gastfreundschaft. Ausdrücklich dankte er den Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte Bonn Astrid Mehmel und Sandra Dentler, der Theaterpädagogin Britta Sensenschmidt und Theodor Cramer sowie den Mitarbeitern des Theaters Bonn Stephanie Gräve und Ingo Piess für die gelungene Organisation der feierlichen und abwechslungsreichen Gedenkstunde. „Als Bundespräsident Herzog 1996 diesen Tag als Gedenktag proklamierte, war ein wichtiger Gedanke dabei, auch künftige Generationen zur Wachsamkeit zu mahnen. Mit unserer Gedenkstunde in Bonn haben wir eine gute Form dafür gefunden zu erinnern, zu gedenken und die Vergangenheit in eine Beziehung zur Gegenwart zu setzen – auch und vor allem, weil zahlreiche Initiativen und die Stadt Bonn eng zusammenarbeiten“, betonte OB Jürgen Nimptsch.

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