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Bonner Gedenkstätte wurde umgestaltet Ausstellung erinnert an Ruth Herz aus Beuel, ermordet 1942

Verfasst am 06. Oktober 2005

Die Ausstellung in der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus wurde in den letzten Monaten grundlegend überarbeitet und mit neuen historischen Daten ergänzt. Bilder und Texte erinnern auch an Ruth Herz. Sie wurde 1925 in Beuel geboren. Ihre Eltern Max und Edith Herz hatten den jüdischen Glauben. Sie führten ein gut gehendes Geschäft in Beuel; Ruth besuchte die evangelische Volksschule.

Nach 1933 litt die Familie unter den immer schärfer werdenden antijüdischen Gesetzen der NS-Machthaber. Im Jahr 1938 mußte sie das Geschäft, 1940 auch ihr Haus in der Combahnstraße aufgeben. Zunächst zog die Familie zu Ruths Großmutter Ella Herz in die Wilhelmstr. 25. Doch schon 1941 wurden sie zusammen mit fast allen noch in Bonn verblieben Menschen jüdischen Glaubens im Kloster Zur Ewigen Anbetung in Endenich interniert. Die Nationalsozialisten hatten es kurzerhand zum Sammellager gemacht.

Aus der Gefangenschaft im Kloster schrieb die damals 16 Jahre alte Ruth Herz ergreifende Briefe und Karten an ihren Onkel Theodor Goldreich. Sie schilderte den Lageralltag und ihre Hoffnungen für die Zukunft. Am 20. Juli 1942 erhielten Ruth, Max und Edith Herz die Transportnummern 340, 341 und 342. Sie wurden zusammen mit etwa tausend anderen Jüdinnen und Juden aus Köln und Umgebung nach Minsk in Weißrußland deportiert. In einem Wald nahe einer NS-Vernichtungsstätte wurden die 17 Jahre alte Ruth und ihre Mutter erschossen; der Vater wurde später ermordet.

Ruths erschütternde Briefe werden in schriftlicher und akustischer Form - in einer "Hörstation" - in der umgestalteten Ausstellung der Bonner Gedenkstätte vorgestellt. So wird die Erinnerung an das Mädchen aus Beuel und ihre Familie wach gehalten. Die Texte gehören zu den historischen Quellen, die Verfolgung und Widerstand in der NS-Zeit in unserer Stadt belegen. Sie erinnern an die Willkür der NS-Diktatur, der nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch Gläubige aus katholischer und evangelischer Kirche, politisch Andersdenkende, Menschen mit Behinderungen, Sinti und Roma, Homosexuelle, und andere Gruppen ausgesetzt waren.

Die neu gestaltete Ausstellung wird am 20. Oktober 2005 durch Bürgermeister Peter Finger und Vertreter des Vereins An der Synagoge, dem Träger der Gedenkstätte Bonn, eröffnet. Ab Freitag, 21. Oktober 2005, ist die Gedenkstätte wieder für die Öffentlichkeit geöffnet, montags bis mittwochs 9.00 bis 15.00 Uhr, donnerstags 9.00 bis 18.00 Uhr, freitags und samstags 13.00 bis 18.00 Uhr, sonntags 11.30 bis 17.00 Uhr.

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