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Als ich zurückkehrte gab es keine Juden mehr... Eindrucksvolle Lesung bei der Gedenkstunde am 27. Januar 2012.

Verfasst am 22. Februar 2012

Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus luden der Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und die Initiative zum Gedenken an die Bonner Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar zur Gedenkstunde der Stadt Bonn in die Kammerspiele Bad Godesberg ein.  Der Einladung  waren viele Bonnerinnen und Bonner gefolgt, darunter zahlreiche Mitglieder der Synagogengemeinde Bonn und mehr als 120 Schülerinnen und Schüler von fünf Bonner Schulen, die sich im Vorfeld in der Gedenkstätte mit dem Thema Nationalsozialismus in Bonn beschäftigt hatten.

In diesem Jahr standen erstmals nicht Menschen im Mittelpunkt des Erinnerns, die in der NS-Zeit in Bonn lebten. Im Zentrum des Erinnerns standen vielmehr  Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, die Opfer des Rassenwahns der deutschen Besatzung wurden und heute in den Synagogengemeinden in Bonn und im Rheinland eine neue Heimat gefunden haben.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hob hervor, dass ihre Erzählungen  helfen könnten, nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen zu verstehen, was in der NS-Zeit geschah.
Aus aktuellem Anlass sprach der Oberbürgermeister die ausländerfeindliche Mordserie an, die in den letzten Jahren von Neonazis verübt wurde. Besonders vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte erfülle ihn diese Taten mit Scham und Zorn. „Wir müssen alles dafür tun, damit Terror und mörderischer Hass auf Fremde oder vermeintlich Fremde in Deutschland keinen Platz mehr haben“.

Astrid Mehmel, Leiterin der Gedenkstätte, erinnerte daran, dass der Gedenktag international den jüdischen Opfern gewidmet sei. In Deutschland werde an diesem Tag aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht; denn von Deutschland waren  Terror und Verbrechen gegen Juden ebenso ausgegangen wie gegen Menschen, die aufgrund politischen Gegnerschaft, ihrer religiösen Überzeugung oder sexuellen Orientierung, ihrer ethnischen Herkunft oder einer psychischen oder physischen Erkrankung verfolgt und ermordet wurden. Im Mittelpunkt der Gedenkstunde in Bonn stehe daher in jedem Jahr eine andere Gruppe von Opfern.

Die Lebensgeschichten der jüdischen Zuwanderer aus den Statten der ehemaligen Sowjetunion seien in der deutschen Öffentlichkeit meist unbekannt. Es sei Zeit, Ihnen zu zuhören und ihnen einen wichtigen Platz in der deutschen Erinnerungskultur zu geben.
In einer eindrucksvollen Lesung trugen Birte Schrein, Nina Tomczak und Falilou Seck vom THEATER Bonn dann Auszüge aus Interviews vor, die mit den jüdischen Zeitzeugen aus der ehemaligen Sowjetunion erst vor kurzem aufgezeichnet  worden waren. Die eindrucksvollen Erzählungen handelten von Flucht, Vertreibung, Hunger, vom Tod der Eltern, Geschwister und Freunde. Und immer wieder von der existentiellen Angst der Menschen selber, die zur Zeit der deutschen Besatzung noch Kinder oder Jugendliche waren.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von dem Chor Sim Schalom der Synagogengemeinde Bonn, der Lieder in Russisch, Jiddisch und Hebräisch  vortrug.

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