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Zukunftsprojekt Westwall Wege zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Überresten der NS-Anlage

Verfasser:
Karola Fings, Frank Möller
Verlag:
Verlag Landpresse, Ralf Liebe, 53919 Weilerswist
Erscheinungsjahr:
2008
ISBN:
9783-941037-05-2
Preis:
18,00 €

Die Bauwerke des Nationalsozialismus gaben in den vergangen Jahren immer wieder Anlass zu teils heftigen Debatten über den Erhalt, Nutzung und Musealisierung. Dies gilt auch für die Reste der Befestigungsanlage des Westwalls. Bei der rund 630 Kilometer langen Militäranlage. die eine bedeutende Rolle in der offensiv und rassistisch ausgerichteten Eroberungs- und Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten spielte, stellt sich immer wieder die Frage nach deren Nutzung.

In den letzten Jahren hat das Interesse Teile der Anlage zu Museen auszubauen oder touristisch zu erschließen zugenommen. So sind eine Vielzahl vorgeblich musealer Einrichtungen entstanden und für den Publikumsverkehr geöffnet worden. Das Bild, das in diesen Museen von der Geschichte des Westwalls gezeichnet wird, ist von einem meist distanzlosen, weil affirmativen Blick auf die Anlagen und ihre Militärtechnik bestimmt. Durch den Verzicht auf eine angemessene zeitgeschichtliche Kontextualisierung gerinnt der Westwall so zu einem bewunderten Zeugnis deutscher Bau- und Ingenieurskunst und wird des verbrecherischen Gesamtzusammenhanges, dem er seine Entstehung verdankt, nahezu vollständig entkleidet.

Angesichts dieser Entwicklungen waren sich die Veranstalter der interdisziplinären Fachtagung "Zukunftsprojekt Westwall – Wege zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Überresten der NS-Anlage", die vom 3. bis 4. Mai 2007 in Bonn stattfand darin einig, dass eine seriöse Befassung mit dem Westwall aus historischer, geographischer, denkmalpflegerischer und naturkundlicher Perspektive überfällig sei.

Gerade um zu vermeiden, dass Projekte eine bislang meist fragwürdige Erinnerungspolitik fortführen, schien es notwendig, über Grundlagen für konsensfähige Konzepte nachzudenken, die den aktuellen zeitgeschichtlichen Standards entsprechen und einen überzeugenden Kontrapunkt zu den bisherigen Remythisierungsten-denzen entlang des Westwalls zu setzen.

Das vorliegende Buch fasst die Ergebnisse der interdisziplinären Fachtagung "Zukunftsprojekt Westwall - Wege zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Überresten der NS-Anlage" zusammen und macht nun die Beiträge der Experten in überarbeiteter und erweiterter Form einem breiteren Publikum zugänglich. Der Band beleuchtet den Mythos und die Faszinationskraft des Westwalls, gibt eine aktuelle Bestandsaufnahme aus zeitgeschichtlicher, historisch-geografischer und denkmalpflegerischer Perspektive und befasst sich mit dem Westwall als Objekt von Erinnerung und Musealisierung aus Sicht des Denkmalschutzes und der Gedenkstättenarbeit.

Auf der Basis der einzelnen Beiträge lassen sich zwei zentrale Ergebnisse festhalten. Erstens bedarf es eines breiten, interdisziplinären Zugangs zu dem Thema Westwall, um seine vielfältigen Dimensionen sichtbar und vermittelbar zu machen. Hierzu sind weitere Forschungen notwendig, aber auch eine kritische Aneignung des bereits vorhandenen Wissens.

Zweitens bedarf es einer behutsamen Konversion der bestehenden Museumsanlagen sowie einer Entwicklung von alternativen Musealisierungsstrategien, die auch in die Praxis umgesetzt werden.

Mit diesem Band werden zahlreiche Anregungen sowohl für weitere Forschungen als auch für notwendige Standards bei der Musealisierung von Westwall-Anlagen gegeben.

128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Rezension unter:

www.unter-berlin.de/Neue_Buecher_zum_Thema__B.418.0.html