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Irritationen gemeinsam reflektiert Eine Fortbildung des Pilotprojektes „Antisemi…was? Reden wir darüber!“ Im August 2019 fand eine zweitägige Fortbildung des Kooperationsprojektes „Antisemi…was? Reden wir darüber!“ des Geschichtsorts Villa ten Hompel (Münster) und des Jüdischen Museum Westfalen (Dorsten), finanziert von der Landeszentrale für politische Bildung NRW in Essen statt – ein gelungener Erfahrungsaustausch stand im Zeichen von Selbstreflexi

Verfasst am 06. Oktober 2019

Beginnend mit einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Jüdischen Kultusgemeinde in Essen und einem anschließenden Reflexionsgespräch mit Elina Hegedüs, einem aktiven Gemeindemitglied, wurde den Mitarbeitenden ein Einblick in die Gegenwart jüdischen Lebens gewährt. Die Gemeinde verstehe sich als Einheitsgemeinde, in der jedes Mitglied individuell über die religiöse Praxis in ihrem oder seinem Alltag entscheide und die Vielfalt mitpräge. Frau Hegedüs erläuterte sehr offen, dass beispielsweise die alternden Einheitsgemeinden und die abnehmende Religiosität der jüngeren Jahrgänge die Gemeinde vor organisatorische wie strukturelle Probleme stelle. Darüber hinaus zeigte sie sich mit Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen besorgt. Sie spüre einen Anstieg antisemitischer Äußerungen und Handlungen und appellierte an unser Team, die für sie wichtige Aufklärungsarbeit zu vertiefen und weiter zu führen. Für die Teilnehmenden erwies sich die innerjüdische und sehr persönliche Perspektive von Elina Hegedüs als bedeutsam für die weitere antisemitismuskritische und präventive Bildungsarbeit im Projekt „Antisemi…was? Reden wir darüber!“. Für den zweiten und letzten Programmpunkt des ersten Fortbildungstages konnten die beiden Referenten Sebastian Salzmann und Florian Hessel von bagrut e.V. gewonnen werden. Unter dem Titel „Möglichkeiten und Grenzen antisemitismuskritischer Bildungsarbeit“ wurden die Multiplikator*innen mit verschiedenen Fragestellungen in ihrer Arbeit konfrontiert wie zum Beispiel: Kann antisemitismuskritische Bildungsarbeit als Teil rassismuskritischer Arbeit verstanden werden? Was sind die Ziele historisch-politischer Bildungsarbeit? Unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Kontextes wurden Diskussionen angeregt und führten zu den Ergebnissen, dass ein Bewusstsein für die Spezifika von Antisemitismus geschaffen werden sollten, die Pluralität der Lerngruppen und des Teams berücksichtigt werden und eine langfristige Absicherung antisemitismuskritischer Bildungsarbeit wünschenswert ist. Der zweite Tag der Fortbildung im Essener Unperfekthaus begann mit einem Workshop zur „Selbstreflexion in irritierenden Situationen in unseren Workshops“ durch die Referent*innen Ida Forbriger und Jost Wagner. In einem ersten Schritt wurde der Fokus auf die Klärung des eigenen Selbstverständnisses gelegt. Die Teilnehmenden berichteten von für sie schwierigen Erfahrungen und Situationen und suchten gemeinsam nach Lösungen bzw. Handlungsempfehlungen. Die Perspektive der Schüler*innen und deren Berührungspunkte mit dem Judentum bzw. das verschulte Fachwissen über die Shoah und die daraus häufig entstandene Opfernarration stellt die praktische Arbeit vor Herausforderungen, sind aber auch als Chancen zu betrachten. Die Selbstreflexion stelle einen unabdingbaren Aspekt in der praktischen Arbeit dar und sei ein wichtiger Schritt für die Multiplikator*innen mit Grenzsituationen umzugehen. Die Tagung endete mit Rückblicken auf die durchgeführten Workshops sowie dem Ausblick auf kommende Veranstaltungen und die Teamkonstellation. Peter Römer arbeitete hier noch einmal die Stärken des Projektes heraus und fasste im Sinne aller Teilnehmenden zusammen, dass eine Fortsetzung wünschenswert und wichtig ist.

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