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Gedenkstätten in NRW bei den jüdischen Kulturtagen - "Goldsteins Traum" Die fünften jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr stellen das <em>Zuhause</em> in den Mittelpunkt. Auch mehrere Gedenkstätten und Erinnerungsorte beteiligen sich an den Kulturtagen. Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zeigt 99 gerahmte Fotografien des Arztes Dr. Georg Goldstein, die sich der Frage nach dem <em>Zuhause</em> nähern.

Verfasst am 11. April 2019

Georg Goldstein hält in den Fotos seinen ganz eigenen Blick auf das britische Mandatsgebiet Palästina und das junge Israel fest – sei es das Ankommen von Schiffen mit Geflüchteten an der Küste von Tel Aviv, ein Gemüsegeschäft, einen Bauern mit Herde im Carmelgebirge.

1898 wird Georg Goldstein in Proskurow (damals Russland, heute in der Ukraine) geboren. Seine Familie wandert 1907 nach Nürnberg aus.

Georg Goldstein studiert in Frankfurt am Main und Bonn Medizin und lässt sich 1930 in Düsseldorf als Internist in der Pempelforter Straße nieder. Seit 1929 hat Goldstein die deutsche Staatsbürgerschaft.

Ab 1931 engagierte er sich in der Zionistischen Ortsgruppe Düsseldorf – er organisierte Vorträge, Hebräischkurse und den Austausch mit dem Palästinaamt.

1933 ist Georg Goldstein unmittelbar von der Machtübernahme der NSDAP betroffen. Im Juli wird ihm die kassenärztliche Zulassung entzogen, 1934 wird seine Einbürgerung aufgehoben – er gilt nun als „staatenlos“.1934/35 besucht Goldstein erstmals als Tourist, das Britische Mandatsgebiet Palästina und bereitet sich auf seine Emigration vor.

Notizen Goldsteins aus dieser Zeit zeigen, wie er das Für und Wider der Auswanderung mit seinen Bekannten diskutierte.

Er beginnt, seine Auswanderung ins Britische Mandatsgebiet Palästina vorzubereiten, 1935 reist er erstmals als Tourist dorthin, 1936 emigriert er. Seine Eindrücke dort wird Goldstein fotografisch festhalten.

1937  lässt er sich als Arzt in Tel Aviv nieder und heiratet 1938 Ilse Fuchs.

Goldstein war leidenschaftlicher Hobbyfotograf – ein Autodidakt, der beeindruckende Aufnahmen machte.

In Düsseldorf hält er seinen beruflichen Alltag in der Arztpraxis ebenso fotografisch fest wie das Atelier des Düsseldorfer Malers Westfeld. Auch beruflich faszinieren ihn Bilder – auch als Internist schafft er sich einen Röntgenapparat an.

Nach seiner Emigration hält Goldsteine seine Eindrücke in Fotografien fest. Goldstein er war zeitweise als Pressefotograf tätig, etwa für die Palästina-Filmstelle der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zeigt in erster Linie Goldsteins private Fotografien. Es sind Aufnahmen mit dokumentarischem Charakter.

Goldstein fängt Alltagsmomente ein: einen Friseurbesuch, ein Kind, das in einem Waschbecken badet, einen Erfrischungsstand. Straßenszenen, die die parallel verlaufende Entwicklungsgeschwindigkeiten zeigen: etwa ein Auto und ein Kamel neben Bauhausarchitektur auf der Herzl-Street in Tel Aviv. Auch Landschaftsaufnahmen, etwa am Strand, in Transjordanien oder am See Genezareth sind unter den ausgestellten Bildern.

Das Thema Migration zieht sich wie ein roter Faden durch die ausgestellten Bilder. Ein Bild zeigt ankommende Umzugscontainer im Hafen. Georg Goldstein ist als Arzt in Lagern für jüdische Immigranten und Immigrantinnen aus den arabischen Staaten tätig. Auch dort hält er Szenen fest, etwa Gruppen von Kindern. Wenige Bilder zeigen Gartenbau im Kibbuz, andere Bauarbeiten und die Errichtung des Passagierhafens in Tel Aviv.

Zahlreiche Litfaßsäulen hat Georg Goldstein fotografiert, als Dokumente politischer Ereignisse – etwa des Kriegsendes oder des Wahlkampfes. Den Tag der Trauer 1942, mit dem den bereits bekannten in der Shoah Ermordeten gedacht wurde, dokumentiert er ebenso auf diese Weise.

Bilder der Demonstrationen nach der Hinrichtung eines Attentäters der Irgun werfen Schlaglichter auf politische Dynamiken. Kriegerische Auseinandersetzungen zeigt Goldstein meist indirekt, ein Foto von einem Flaksoldaten im ersten arabisch-israelischen Krieg ist hier eine Ausnahme.

In der Ausstellung werden die Fotografien kontextualisiert, wie Kuratorin Dr. Andrea Ditchen erläutert: Goldstein selbst notierte auf einigen Negativen Datum und Ort von Aufnahmen. An einigen Stellen musste anhand dieser Informationen recherchiert werden, was auf den Fotos gezeigt sein könnte. Bei manchen Fotografien ist die Kontextualisierung nicht vollständig möglich, etwa, bei Aufnahmen von Personen im Alltag.

„Goldsteins Traum“ zeigt das Suchen nach einem Zuhause.Georg Goldstein bemerkt zunehmend, wie seine Traumvorstellung und die Wirklichkeit im jungen Israel sich auseinanderentwickeln. Nicht nur das Mittelmeerklima macht ihm zu Schaffen. Er hegt vor allem Kritik an jüdischen politischen Akteuren, etwa der zentralen Gewerkschaft Histradut. Bei seiner Arbeit als Arzt behandelt Goldstein Menschen, die unter Mangelernährung leiden und bemerkt so, wem der Anfang im jungen Staat besonders schwerfällt.

Ab 1953 bereiten er und seine Frau Ilse sich auf die Rückkehr nach Deutschland vor. Dabei sind sie nicht die Einzigen, die nach einiger Zeit aus Israel nach Düsseldorf zurückkehrten. 1954 öffnet Georg Goldstein erneut eine Praxis in Düsseldorf.

Das fotografische Dokumentieren kennzeichnet seine Zeit im Britischen Mandatsgebiet und jungen Israel. Wenn Goldstein später, zurück in Düsseldorf, fotografiert, dann sind das vor allem Familienfotos. Als er 1980 stirbt hinterlässt er eine Fotosammlung von 11 000 Negativen und 4 000 Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Seine Frau schenkt diese dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut.

Die Ausstellung „Goldsteins Traum“ kann in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf noch bis zum 13. Oktober 2019 besucht werden.

Öffnungszeiten:

Di-Fr und So 11-17 Uhr

Sa 13-17 Uhr

Mo geschlossen

Der Eintritt ist frei.

Die Mahn- und Gedenkstätte bietet ein Begleitprogramm zur Ausstellung an. Informationen zu aktuellen Veranstaltungen finden Sie hier.

Hier finden Sie Informationen zur Anfahrt zur Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29, 402013.

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