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Was deutsche und israelische Jugendliche in Schulbüchern voneinander lernen Seit 50 Jahren unterhalten die Staaten Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen. Und in Deutschland über Israel zu sprechen ist nicht immer leicht. Aber wie ist es eigentlich um das Wissen voneinander unter Schülerinnen und Schülern bestellt? Mit einer interdisziplinären und internationalen Kommission hat Prof. Dr. Alfons Kenkmann Schulbücher analysiert und eine Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt.

Verfasst am 10. November 2015

In Deutschland über Israel zu sprechen ist nicht immer leicht. Denn auch die Lage im Nahen Osten ist kompliziert und nicht mit kurzgreifenden Argumenten zu erklären. Umso wichtiger ist die Frage, was junge Menschen in Deutschland über Israel lernen. Weil gerade Schulbücher den Anspruch haben, objektiv zu informieren, sollte ihren Darstellungen israelischer Politik und Geschichte besondere Aufmerksamkeit zukommen. Bereits im Sommer hatten bundesweit Zeitungen und Zeitschriften über erste Ergebnisse berichtet.

In welchen Bildern und auch Zerrbildern über Israel in deutschen Schulbüchern gesprochen wird, hat jetzt eine deutsch-israelische Expertenkommission, die vom Braunschweiger Georg- Eckert-Institut, dem Auswärtigen Amt und dem israelischen Erziehungsministerium koordiniert wird, untersucht. Mit dabei war Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Gründungsdirektor des Geschichtsorts Villa ten Hompel in Münster und Vorsitzender des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und –Erinnerungsorte in NRW, der besonders Geschichtsbücher in den Blick genommen hat.

Die koordinierenden Organisationen haben nun gemeinsam mit der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in Deutschland und der Botschaft des Staates Israel sowie dem Zentralrat der Juden eine Tagung in Berlin veranstaltet, um die Ergebnisse in einer Fachtagung zu diskutieren. Dort nahmen neben dem Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik, auch S. E. Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter des Staates Israel, und Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, teil.

Multiperspektivität und Blick auf innerisraelische Entwicklungen notwendig

Prof. Dr. Alfons Kenkmann sprach über die Darstellung Israels und der Shoa in deutschen Geschichtsschulbüchern, anschließend präsentierte Dr. Arie Kizel von der Universität Haifa die andere Perspektive, die Darstellung Deutschlands in israelischen Schulbüchern.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises kam zu dem Schluss, dass Israel tendenziell als kriegführender Krisenstaat im Rahmen des Nahostkonflikts dargestellt wird. Gerade über demokratische Strukturen der israelischen Gesellschaft, Innenpolitik und auch Kultur wird kaum berichtet. Auch die vielfältigen deutsch-israelischen Beziehungen seien nur marginaler Bestandteil deutscher Schulbücher.

Deshalb hat er in seinem Vortrag und einem vertiefenden Workshop empfohlen, im Schulunterricht Nahost-Konflikte möglichst multiperspektivisch darzustellen und auch emotionalisierende Bilder und Sprache zu verzichten. Die Dynamik der Geschichte Israels auch vor der Staatsgründung und innerisraelische Debatten gelte es stärker zu berücksichtigen. Gerade die vielen wechselseitigen Beziehungen, auch der manchmal intensive Austausch zwischen jungen Deutschen und ihren israelischen Altersgenossen, bieten sich als Unterrichtsthema an.

Auf Grundlage dieser Empfehlungen wurde eine Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer vorgestellt, die mit Beginn des nächsten Schuljahres bei der Vermittlung deutsch-israelischer Beziehungen und Geschichte helfen soll.

Der Besuch einer der im Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW organisierten Einrichtungen ist - so ist man sich in diesem Netzwerk einig - mit Sicherheit ein guter Anlass, sich multiperspektivisch und sachlich mit der Shoah, aber auch ihrer Nachgeschichte und der Frage, welche Konsequenzen sich daraus für die deutsch-israelischen Beziehungen ergeben, zu beschäftigen.

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