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2017 – Ein intensives ArbeitskreisJahr Das Jahr war ereignisreich: Neue Mitglieder im Arbeitskreis, internationale Vernetzungen in Polen und mit israelischen Gästen oder interessante Projekte haben 2017 geprägt. Nicht zuletzt die hohen Besuchszahlen der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW zeigen, dass diese Arbeit auch breit wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Gleichwohl behalten Aufklärung, Erinnern, Mahnen und Integrationsangebote im Bereich der Erinnerungskultur angesichts zunehmender fremdenfeindlicher und populistischer Entwicklungen auch 2018 ihren hohen Stellenwert. Die Redaktion des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW blickt mit diesem Bericht nicht nur zurück, sondern auch nach vorne.

Verfasst am 29. Dezember 2017

Der Jahresrückblick 2016 endete mit einem besorgten Blick der Mitglieder des Arbeitskreises ins kommende Jahr 2017. Anlass zur Sorge gaben die beobachteten gesellschaftlichen Entwicklungen, die es „einstigen Randgruppen ermöglichten, ihre rechtsgerichteten und populistischen Parolen in der Gesellschaft zu verbreiten“. Im Jahr 2017 zeigten sich aufgrund steigender Zahlen von Straftaten mit rechtsextremen und fremdenfeindlichen Hintergrund, welche wichtige Bedeutung die Arbeit der Mitglieder, Unterstützer und Ehrenamtlichen im Bereich der Erinnerungskultur zukommt, um durch die wertvolle Arbeit Strukturen wie Angst, Hass, Unwissenheit und Ausgrenzung durch Aufklärung, Erinnern, Mahnen, Integration und Demokratie entgegenzuwirken. Diesen Aufgaben stellten sich die Mitglieder des Arbeitskreises auch im Jahr 2017 unermüdlich und man kann auf ein intensives, veranstaltungsreiches Jahr zurückschauen.

Verdichtung der erinnerungskulturellen Landkarte

In Zeiten von verordneten Einsparungen und der daraus resultierenden Ungewissheit über Zuschüsse und Projektfinanzierungen seitens der Politik ist es ein großer Erfolg und zeugt vom herausragenden Engagement aller Beteiligten, dass der Arbeitskreis der NS- Gedenkstätten im Jahr 2017 zwei neue Partner begrüßen konnte. Mit dem Zentrum für Erinnerungskultur in Duisburg und dem Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf verdichtet sich die erinnerungskulturelle Landkarte Nordrhein-Westfalens um zwei wichtige Standorte, die die ohnehin vielfältigen Angebote im Arbeitskreis weiter bereichern.

Aufbau internationaler Kontakte

Nicht nur regional, sondern auch über die nationalen Landesgrenzen hinaus zeigten sich die Mitglieder des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten aktiv und interessiert an der Intensivierung von internationalen Kontakten, um Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit zu finden. Die gemeinsame Vergangenheit von Deutschland und Polen, geprägt von den Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet des heutigen Polens, beeinflusst die Beziehungen der beiden Länder miteinander. Seit 25 Jahren werden durch Verträge, Staatsbesuche und erfreulicherweise durch in der Anzahl steigende Jugendaustauschprogramme die Beziehungen intensiviert und aktiv gepflegt. In der letzten Aprilwoche machte sich eine Delegation von 20 GedenkstättenmitarbeiterInnen aus NRW auf den Weg nach Polen, um  an verschiedenen Orten in polnischen Museen und Gedenkstätten Eindrücke von der Arbeit zu erhalten und gezielt neue Kooperationen  zwischen Nordrhein-Westfalen und Polen aufzubauen. Die Frage nach gemeinsamen, aber möglicherweise auch differenten Erinnerungen an die NS-Vergangenheit in beiden Staaten und deren Bedeutung für eine gemeinsame Zukunft leitete das Erkenntnisinteresse des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW und der NRW-Landesregierung und der Landeszentrale für politische Bildung als Organisatoren.

Nachdem der Arbeitskreis im April 2017 als Gast in das benachbarte Polen gekommen war, agierten die Mitglieder im Sommer 2017 als Gastgeber und begrüßten herzlich die israelische Delegation, um den israelischen Kolleginnen und Kollegen die nordrhein-westfälische Gedenkstättenlandschaft zu präsentieren. Bereits 2015 hatte eine Delegation des Arbeitskreises die Kolleginnen und Kollegen in Israel besucht und sich darüber verständigt, die internationale Kooperation zwischen nordrhein-westfälischen und israelischen Einrichtungen auf pädagogischer und wissenschaftlicher Ebene zu verstärken.

Gedenkstätten stellen sich dem Prozess der Digitalisierung

In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Gedenkstätten den Anforderungen an digitales Lernen, z.B. bei der Neukonzeption von Ausstellungen, gestellt. Auch im Jahr 2017 gab es innovative Angebote im Bereich der Digitalisierung des Erinnerns und Gedenkens. Sowohl „KuLaDig“ als auch die App „Orte jüdischer Geschichte“ ermöglichen es, einen größeren geografischen Bereich ins Auge zu nehmen und sich über Einrichtungen des Erinnerns, Denkmäler oder Orte gegenwärtiger gelebter jüdischer Kultur zu informieren. Die Apps helfen damit nicht nur dabei, auf geschichtliche Ort aufmerksam zu werden und Wissen zu vermitteln. Durch die Einbettung von Online-Kartendiensten, die die genaue Position des gewählten Themas anzeigen, erleichtern es die Anwendungen zudem, Gedenkorte selbst aufzusuchen und zu begehen. Beide Apps ermöglichen es Interessierten sich eigenständig und von der eigenen Haustür aus auf Spurensuche zu begeben, wobei die Wege auch zu den umliegenden Gedenkstätten und Erinnerungsorten des Arbeitskreises führen.

Archive und Sammlungen mit wichtiger Rolle

Neben den vielfältigen technischen Entwicklungen zur digitalen Darstellung und Präsentation von Geschichte spielen Archive und Sammlungen in der hiesigen Forschung eine übergeordnete Rolle. Sie bilden die Grundlage und verbinden in Erinnerungsorten die pädagogische Arbeit mit historischer Forschung und Dokumentation. Im Jahr 2017 lenkte sich dabei der Blick in Richtung der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg, um exemplarisch aufzuzeigen, wie archivierte Dokumente und Objekte einen kritischen, multiperspektivischen Blick auf die NS-Zeit ermöglichen. Objekte in den Beständen der Wewelsburg transportieren in großem Maß die Ideologie der SS, dies wird in der Ausstellungsarbeit bewusst gebrochen und thematisiert.

Bestätigung der intensiven Arbeit durch Besucherrekord

Zu Beginn des Jahres 2017 veröffentlichte der Vorstand des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW um Prof. Dr. Alfons Kenkmann die Besucherzahlen in den NS-Gedenkstätten in NRW für das Jahr 2016. Mit 330.000 Besuchern verzeichnete der Arbeitskreis die bisher größte Besucheranzahl, welche deutlich macht, dass das Interesse an den NS-Gedenkstätten und den jeweiligen Angeboten vor Ort ungebrochen ist. Dieser Besucherrekord ist gleichzeitig eine Bestätigung und Würdigung der MitarbeiterInnen, die sich unermüdlich in der gemeinsamen Arbeit des Erinnerns und Mahnens engagieren. Man darf gespannt sein, wie sich diese Besuchszahlen im Jahr 2017 entwickelt haben - die Redaktion möchte in Kürze neue Zahlen vorlegen.

Mobile Beratung und Gedenkstättenarbeit

Trotz der wertvollen pädagogischen und aufklärerischen Erinnerungsarbeit und des gesellschaftlichen Bewusstmachens der Geschichte in Vergangenheit und Zukunft stieg die Zahl der rechten Straftaten und rassistischer Stimmungsmache im öffentlichen Raum besorgniserregend an. Im Jahr 2017 konnte das Team der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in NRW leider jeden Tag zwei neue Vorfälle in NRW dokumentieren, die jeweils einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatten. In Kooperation mit den NS-Gedenkstätten engagierten sich 2017 alle Beteiligten in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus. In Münster und Köln etwa, wo das Beratungsteam an die Gedenkstätten direkt angebunden sind, fanden zahlreiche Vorträge von Experten und Veranstaltungen gegen rechts statt. In der Gedenkhalle Oberhausen wurde die Ausstellung „Drei Steine“ gezeigt, um auf extrem rechte Bewegungen und ihre Gewalttaten aufmerksam zu machen.  So agieren Gedenkstätten als Orte des Erinnerns an die Verfolgten des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945, nehmen aber auch darüber hinaus die Verantwortung wahr, Entwicklungen in der Vergangenheit und in der Gegenwart aufzuzeigen und bewusst zu thematisieren.

Ausblick 2018

Im Jahr 2017 setzten sich gezielt Projekte mit der Thematik „Geflüchtete im Gedenkstättenbereich“ auseinander. Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung intensiviert beispielsweise das Projekt „Willkommensstätten“ in Münster, Dortmund, in der Wewelsburg und anderen Orten die pädagogische Arbeit in den erinnerungskulturellen Einrichtungen, um den spezifischen Herausforderungen vor dem aktuellen Hintergrund der Migrationsbewegung gerecht zu werden. In eine ähnliche Richtung zielen die Planungen des Arbeitskreises „Räume Öffnen“, angesiedelt unter anderem am IP Vogelsang. Dabei werden im Jahr 2018 die Intensivierung des Austauschs zwischen Gedenkstätten, Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen eine große Rolle spielen.

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